Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 24.10.
Lieber Antoine als gar keinen Ärger
voraussichtlich ab Donnerstag 31.10.
Zwingli - Der Reformator
Das perfekte Geheimnis
Porträt einer jungen Frau in Flammen
Verteidiger des Glaubens
voraussichtlich ab Donnerstag 7.11.
Lara
2040 – Wir retten die Welt!
Happy Ending – 70 ist das neue 70
Marianne & Leonard: Words of Love
Das Wunder von Marseille
voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.
PJ Harvey - A Dog Called Money
Bis dann, mein Sohn
But Beautiful
Booksmart
The Irishman (engl. OmU)
Morgen sind wir frei
voraussichtlich ab Donnerstag 21.11.
Bernadette
Land des Honigs
Pferde stehlen
Marriage Story (engl. OmU)
voraussichtlich ab Donnerstag 28.11.
Yung
Aretha Franklin: Amazing Grace
Die schönste Zeit unseres Lebens
Mein Ende. Dein Anfang
voraussichtlich ab Donnerstag 5.12.
A Rainy Day in New York
voraussichtlich ab Mittwoch 18.12.
Star Wars: The Rise of Skywalker (engl. OV in 2D)
voraussichtlich ab Donnerstag 26.12.
Pavarotti

Voraussichtlich ab Donnerstag 24.10.

Lieber Antoine als gar keinen Ärger



Geschichte über irrtümlich verbreitete Heldensagen und wie die Witwe eines Polizisten sowie ein unschuldig im Gefängnis einsitzender Zeitgenosse mit ihren Schicksalen umgehen. Die Mischung aus Groteske und rührenden Beziehungsmomenten begeistert.

In einem kleinen Städtchen an der französischen Riviera lebt die junge Kommissarin Yvonne. Sie ist die Witwe des örtlichen Polizeichefs Santi, der in der Gegend als Inbegriff von Recht und Ordnung gilt. Nach seinem Tod erlebt Yvonne eine böse Überraschung, denn seine Tugendhaftigkeit war nicht so makellos wie sein monumentales Denkmal im Ortskern suggeriert. Tatsächlich war Santi tief in der südfranzösischen Unterwelt verwurzelt und schickte einst an seiner Stelle den unschuldigen Antoine für acht Jahre ins Gefängnis. Als Antoine nach verbüßter Frist auf freien Fuß gesetzt wird, möchte Yvonne dem sichtlich ramponierten und verwirrten Mann helfen, neues Glück zu finden – natürlich ohne ihre Identität preiszugeben. Leider ist sie damit so erfolgreich, dass sich Antoine auf der Stelle in sie verliebt. Und auch Yvonne stellt entsetzt fest, dass ihr Herz für diesen schrägen, zerknirschten und gleichzeitig so energiegeladenen Typen zu schlagen beginnt. Doch Antoines Rückkehr ins normale Leben verläuft nicht nach Resozialisierungsplan. Antoine will sich nämlich endlich nehmen, wofür er bisher nur ersatzweise gebüßt hat...

Turbulent, schräg und lustig – diese französische Komödie steckt voller Direktheit, frischem Humor und macht vor allem Laune. Regisseur Pierre Salvadori („Bezaubernde Lügen“) bringt zusammen, was das französische Kino am besten kann: zwischen zärtlicher Romantik, makabrer Situationskomik und raffinierter Filmkunst entsteht großes Komödienkino, das mit einer ganz eigenen Handschrift begeistert. Es ist in Summe das ungewöhnliche Konstrukt aus übertriebener Polizistengeschichte mit parodistischen Anleihen bei Cop-Movies in Verbindung mit Identitätssuche und sich neu anbahnenden Liebesgeschichten, die „En liberté!“ zu einer originellen und höchst unterhaltsamen Komödie werden lassen – nicht zuletzt auch dank einiger überraschender Regieeinfälle,

Frankreich 2018
Regie: Pierre Salvadori
Darsteller: Adèle Haenel, Pio Marmaï, Audrey Tautou
108 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.10.

Zwingli - Der Reformator

Zürich 1519. Unerschrocken nutzt der junge Ulrich Zwingli seine Wahl zum Priester am ehrwürdigen Großmünster, um gegen die Missstände in der Stadt und in der Kirche zu predigen. Heftige Diskussionen entbrennen! Im Namen von Papst und Kaiser verlangt der Bischof von Konstanz schließlich Zwinglis Verhaftung. Als sich der Rat der Stadt nach einem öffentlichen Streitgespräch zwischen Zwingli und einem Abgesandten des Bischofs überraschend an die Seite des Rebellen stellt, kommt es zu weiteren Machtkämpfen. Und während Zwinglis Thesen einen Bürgerkrieg auszulösen drohen, zieht es die gottesfürchtige Witwe Anna immer mehr in den Bann dieses außergewöhnlichen Mannes.

Ulrich Zwingli war neben Martin Luther einer der wichtigsten Reformatoren der Kirche. Jetzt bringt Regisseur Stefan Haupt mit "Zwingli - Der Reformator" erstmals die Geschichte des großen Humanisten auf die Kinoleinwand. Ein opulentes Historiendrama über den Kampf um eine neue Weltordnung, das in der Schweiz mehr als 240.000 Zuschauer begeisterte. Kein Wunder: Zwinglis Ideen einer sozialen Gesellschaft, die sich um die Armen und Kranken kümmert und die Rechte von Frauen und Kindern schützt, sind heute so aktuell wie damals.

Deutschland 2019
Regie: Stefan Haupt
Darsteller: Max Simonischek, Sarah Sophia Meyer, Anatole Taubman
128 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.10.

Das perfekte Geheimnis



Wie viele Beziehungen und Freundschaften würden zerbrechen, wenn wir jederzeit in das Telefon unserer Liebsten schauen dürften? Eine Komödie darüber, dass gute Freunde wenig voneinander wissen, aber ihre Mobiltelefone voller Geheimnisse und pikanter Details stecken.

Drei Frauen. Vier Männer. Sieben Telefone. Und die Frage: Wie gut kennen sich diese Freunde und Paare wirklich? Als sie bei einem Abendessen über Ehrlichkeit diskutieren, entschließen sie sich zu einem Spiel: Alle legen ihre Smartphones auf den Tisch, und alles, was reinkommt, wird geteilt. Nachrichten werden vorgelesen, Telefonate laut mitgehört, jede noch so kleine WhatsApp wird gezeigt. Was als harmloser Spaß beginnt, artet bald zu einem emotionalen Durcheinander aus – voller überraschender Wendungen und delikater Offenbarungen. Denn in dem scheinbar perfekten Freundeskreis gibt es mehr Geheimnisse und Lebenslügen, als zu Beginn des Spiels zu erwarten waren.

„Das perfekte Geheimnis“ ist inspiriert vom italienischen Kinofilm „Perfetti Sconosciuti“ von Paolo Genovese aus dem Jahr 2016 (allein in Italien 2,7 Mio. Besucher). In zahlreichen Ländern wurde der Film adaptiert und avancierte zu einem weltweiten Phänomen. Das „Fack Ju Göhte“-Erfolgsduo Bora Dagtekin und Lena Schömann griff die Idee des Films auf und entwickelte eine zeitgemäße Interpretation für das deutsche Kinopublikum. Autor und Regisseur Bora Dagtekin sowie Produzentin Lena Schömann lassen einen Abend unter Freunden eskalieren und bringen dafür ein einmaliges Star-Ensemble an einen Tisch: Elyas M Barek, Florian David Fitz, Jella Haase, Karoline Herfurth, Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring und Jessica Schwarz spielen die Hauptrollen.

Deutschland 2019
Regie: Bora Dagtekin
Darsteller: Elyas M Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.10.

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Ein Kostümdrama über die Liebe zweier Frauen, das vor allem von gesellschaftlichen Diskursen und kunsttheoretischen Überlegungen der Gegenwart erzählt. Eines der Highlights des diesjährigen Wettbewerbs von Cannes.

Wir schreiben das Jahr 1770. Marianne ist Portraitmalerin und hat einen neuen Auftrag angenommen. Eine verwitwete italienische Gräfin (Valeria Golino) beauftragt sie, das Bild ihrer Tochter Héloïse (Adèle Haenel) zu malen. Dieses Bild ist dringend notwendig, um die geplante, arrangierte Ehe von Héloïse zu bestätigen. Diese ist einem ihr unbekannten Mann im fernen Mailand versprochen, der sie nie gesehen hat. Doch Héloïse sträubt sich gegen diese arrangierte Verbindung, weigert sich, für das Portrait Modell zu sitzen. So muss Marianne im Geheimen, aus dem Gedächtnis malen und blickt Héloïse während gemeinsamer Spaziergänge an der rauen Küste umso eindringlicher an. Unweigerlich verlieben sich die beiden jungen Frauen und beginnen während der kurzzeitigen Abwesenheit der Mutter eine Affäre...

Unabhängig und frei wirkt Marianne zunächst, einen selbstständigen, künstlerischen Beruf ausübend, nicht den Zwängen der Gesellschaft unterworfen. Doch bald zeigt sich, dass diese vermeintliche Freiheit nur bedingt existiert: Mit einem Portrait wie dem von Héloïse, dass in einer Zeit vor der Photographie notwendig ist, um fernmündliche arrangierte Ehen zu bestätigen, trägt sie zur Aufrechterhaltung der Konventionen bei. Ihr weiblicher Blick auf ihre Subjekte ersetzt sozusagen den männlichen Blick. Über den wird in Bezug auf das Kino seit langem diskutiert. Bei Sciamma herrschst nun ein dezidiert weiblicher Blick. Bis auf eine kurze Sequenz zu Beginn kommen Männer noch nicht einmal zu Wort. Und dennoch ist „Portrait einer jungen Frau in Flammen“ keineswegs ein dogmatischer, ideologischer Film. Zwar zeigt Sciamma Mechanismen der Unterdrückung auf, deutet die Schwierigkeit für eine Frau wie Marianne an, in einer von Männern dominierten Welt wirklich unabhängig zu leben, doch didaktisch wird sie nie. Am Ende erzählt sie in brillanten Bildern, mit zwei hervorragenden Schauspielerinnen von einer unmöglichen Liebe, einer Verbindung, die auch dann noch existiert, als die beiden Frauen zumindest räumlich schon lange getrennt sind.

Frankreich 2019
Regie: Céline Sciamma
Darsteller: Noémie Merlant, Adèle Haenel, Valeria Golino
120 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.10.

Verteidiger des Glaubens



Das Scheitern eines Papstes nennt Christoph Röhl seine Dokumentation im Untertitel, womit die Richtung seines Porträts des deutschen Papst Benedikt XVI. vorgegeben wird.

Nicht nur in Deutschland war die Begeisterung groß, als im April 2005 der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger zum Nachfolger des verstorbenen Papst Johannes Paul II. gewählt wurde und fortan einer der größten Institutionen der Menschheit vorstand. Oder einer der größten Sekten, wie Kritiker die auf Verschwiegenheit bedachte Institution der Kirche oft nennen, die sich Anfang des 21. Jahrhunderts schon am Beginn einer der größten Krisen ihrer Geschichte sah. Missbrauchsfälle hatte es zwar immer wieder gegeben, doch nun wurde die Welle der Anschuldigungen immer stärker, verging kaum eine Woche, ohne neue Berichte über Priester, die Kinder sexuell missbraucht hatten, und das in allen Teilen der erdumspannenden katholischen Kirche.

Wie Papst Benedikt mit diesem Skandal umgehen würde, sollte sein Pontifikat prägen und daran sollte er scheitern, so die Aussage von Christoph Röhls Dokumentation „Verteidiger des Glaubens.“ Viele Interviewpartner hat Röhl vor die Kamera geholt, Verteidiger Ratzingers, vor allem aber Kritiker, Opfer von Missbrauch, darunter ehemalige Mitglieder der
Kongregation Legionäre Christi, die vor allem in Mexiko aktiv ist und massiv in den Missbrauchsskandal verstrickt war, aber vom Papst bis zuletzt geschützt wurde. Benedikt selbst hat Röhl nicht vor die Kamera bekommen, allein sein ebenso redegewandter wie telegener Privatsekretär Georg Gänswein steht Rede und Auskunft, wobei sich seine Rede eher auf Plattitüden und Floskeln beschränkt. Erstaunlicherweise konnte Röhl, der die Arbeit an seinem Film lange vor dem Rücktritt von Papst Benedikt 2013 begann, auch in den Archiven des Vatikans recherchieren und kann so die lange Karriere Ratzingers ab den 60er Jahren reichhaltig und interessant bebildern. Damals galt Ratzinger für kurze Zeit als Reformer, der die zunehmende Diskrepanz zwischen der erzkonservativen katholischen Kirche und der Realität der 60er Jahre, in der zumindest Teile der westlichen Gesellschaft nach immer größerer Offenheit und Liberalität verlangte, überbrücken sollte. Doch damit war es bald vorbei.

Dokumentarfilm
Deutschland, Italien 2019
Regie: Christoph Röhl
89 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.11.

Lara

Die Fassade der Fürsorglichkeit einer Mutter bekommt an ihrem 60. Geburtstag Risse. Atmosphärisch dicht, visuell verspielt sowie bestens besetzt bis in die Nebenrollen, entsteht ein packend intensives Drama.

Just an ihrem 60sten Geburtstag gibt Laras Sohn Viktor ein großes Klavierkonzert. Um für ein volles Haus zu sorgen, kauft die Mama die verbliebenen 22 Karten kurzerhand auf, die sie an Freunde und Fremde verschenken wird. Die Karriere ihres Kindes war Lara schon immer wichtig. Vielleicht zu wichtig, weil sie selbst ihren Traum der gefeierten Pianistin einst aufgeben musste. Umso mehr will sie den Erfolg für Viktor um jeden Preis. Der krankhafte Ehrgeiz hat Spuren hinterlassen. Ehemann Paul (Rainer Bock) hat sich längst abgewendet, der sensible Sohn zog zur Großmutter aufs Land. Unter Kollegen sorgte die Härte der pensionierten Beamtin gleichfalls für frostige Stimmung. „Hat es Sie nie gestört, dass man Sie nie ausstehen konnte?“, bekommt sie von ihrer Nachfolgerin bei einem Besuch in der Behörde zu hören. Die vielen falsch gestellten Weichen in ihrem Leben rächen sich mit voller Wucht an diesem Geburtstag.

Ähnlich à la „Oh Boy“ setzt Jan-Ole Gerster auf diverse Episoden an einem einzigen Tag, die wie ein Kaleidoskop das überraschende Bild ergeben. Auch hier wird die melancholische Grundierung regelmäßig mit etlichen Komik-Farbtupfern versehen, sorgen absurder Humor und feinsinnige Situationskomik für die notwendige Entspannung. Tom Tykwers vielfach preisgekrönter Haus-Kameramann Frank Griebe zeigt mit visueller Originalität einmal mehr, dass er zu den besten seines Faches gehört. Raffinierter verspiegelt lässt sich Kaufhaus-Shoppen kaum inszenieren, selbst der triste Hansa-Platz von Berlin bekommt ein fast attraktives Antlitz. Überhaupt glänzt die Hauptstadt mit selten auf der Leinwand zu sehenden Schauplätzen in eindrucksvollem Farbkostüm. Die Besetzung fällt bis in kleine Nebenrollen mit großartigen Darstellern aus. Die Hauptlast trägt klar Corinna Harfouch, die diese Traumrolle mit scheinbarer Mühelosigkeit regelrecht zelebriert. Hier gelingt das schwierige Kunststück, eine wenig sympathische Figur für das Publikum interessant werden zu lassen, fast Empathie zu entwickeln.

Deutschland 2019
Regie: Jan-Ole Gerster
Darsteller: Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung
98 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.11.

2040 – Wir retten die Welt!


Der Filmemacher Damon Gameau wollte sich Weltuntergangsnarrativen nicht unterziehen und machte sich auf, sich auf der Welt umzusehen und Lösungsansätze zu suchen, die schon heute machbar sind.

Damon Gameau fragt sich, welche Welt wir seiner heute vierjährigen Tochter hinterlassen. Wie wird die Welt für Velvet im Jahr 2040 aussehen, wenn sie erwachsen ist? Wichtiger aber noch: Wie könnte sie aussehen? Denn Gameau ist niemand, der sich von Untergangsszenarien erschrecken ließe. Vielmehr will er aufzeigen, dass wir es bereits jetzt in der Hand haben, das Pendel noch in die andere Richtung schwingen zu lassen. Nicht mit Technologien, die es noch gar nicht gibt, sondern mit Möglichkeiten, die heute bereits existieren, aber nicht konsequent genutzt werden.

Seine Reise führt ihn quer über die Welt und führt vor Augen, wie die Welt sich ändern könnte. Etwa, indem man weggeht von den riesigen Energiekonzernen und die Stromgewinnung den Menschen in einem demokratischen Prozess zurückgibt. So geschieht es derzeit in Dörfern in Bangladesch, wo selbst auf den windigsten Blechhütten ein Solarpanel steht. Mit Hilfe einer weiteren Box können mehrere Häuser miteinander verbunden werden, so dass Strom nicht nur gespeichert, sondern auch ge- und verkauft werden kann – je nach persönlichem Anspruch. Dieses Mini-Netzwerk ist unendlich erweiterbar, bis ein ganzes Land damit durchzogen ist. Das ist nicht nur saubere Energiegewinnung, sondern sorgt auch dafür, dass das Geld, das normalerweise an die Konzerne fließen würde, in den jeweiligen Gemeinschaften verbleibt und so zum Wohlstand aller beiträgt. „2040 – Wir retten die Welt!“ ist in seinem Ansatz hoch interessant, weil er nicht nur das Augenmerk auf ökologische Möglichkeiten wirft, sondern auch betrachtet, wie andere Veränderungen zu einem Wechsel und damit zu einer Verbesserung der Umwelt führen können. Das sind allesamt faszinierende Ansätze, weswegen man sich eigentlich wundern muss, wieso nicht mehr in dieser Richtung unternommen wird. Sicher ist manches leichter umsetzbar als anderes, aber im Kern präsentiert der Film eine Vision, die nicht an den Haaren herbeigezogen ist, sondern eine Welt des Jahres 2040 präsentiert, in der man nur zu gerne leben würde.


Australien 2019
Regie + Buch: Damon Gameau
92 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.11.

Happy Ending – 70 ist das neue 70



Putzmuntere dänische Seniorenkomödie um eine Trennung nach fast 50 Ehejahren. Ein gutes Beispiel für einen Film, der neben Spaß und Unterhaltung auch eine angemessene Portion Tiefgang bietet.

Als Peter mit knapp 70 endlich in Rente geht, freut sich seine Frau Helle schon auf tolle Reisen zu zweit und ruhige Stunden in trauter Zweisamkeit. Doch da liegt sie gewaltig schief, denn Peter hat die gesamten Rücklagen in ein österreichisches Weingut investiert. Der Schock ist groß und geht an Helles Substanz, die folgende Ehekrise führt zur Trennung, und der verwöhnte Peter zieht ins Haus der Tochter. Helle steht nun allein da. Es dauert eine Weile, bis sie sich erholt, doch die anfänglichen Einsamkeitsattacken sind bald überwunden, und Helle richtet sich langsam in ihrem neuen Leben ein. Und siehe da: Es geht ihr immer besser. Währenddessen bereut Peter die Trennung schon...

Offenbar lag es der Autorin Mette Heeno am Herzen, eine realistische Alltagsgeschichte zu erzählen und sie mit ein paar frechen zusätzlichen Details aufzupeppen. Das ist eindeutig gelungen. So sind Helles Freundinnen deutlich origineller als sie selbst, denn Helle (sehr liebenswert: Birthe Neumann) kommt zumindest am Anfang als ziemlich biedere Hausfrau des Weges. Doch das wird sich bald ändern. Der Worcaholic Peter (Kurt Ravn als Gewohnheitsmacho) blickt misstrauisch, aber auch zunächst wohlwollend interessiert auf die Veränderung seiner Frau. Während zu Beginn die Situationskomik überwiegt, kommen ab der Hälfte die ernsthafteren Aspekte mehr zur Sprache. Zum Schluss gibt es dann fürs Publikum noch eine kleine Überraschung. Natürlich geht es insgesamt ums Älterwerden, wobei die kleinen und großen Sorgen und Nöte des spätehelichen Sexuallebens mit angemessener Diskretion angesprochen werden. Die schwindende Attraktivität, ob eingebildet oder nicht, spielt ebenso eine Rolle wie körperliche Malaisen, aber eben auch Mut zum Neuanfang und dazu, Wünsche und Hoffnungen auszuleben. Hella Joof als Regisseurin gelingt es unter Zuhilfenahme eines flotten Soundtracks, dies alles und noch viel mehr auf eine sehr optimistische Art zu präsentieren, ohne jemals die Ebene der freundlichen Schmunzelkomödie zu verlassen.

Dänemark 2018
Regie: Hella Joof
Darsteller: Birthe Neumann, Kurt Ravn, Charlotte Sieling, Marianne Høgsbro, Tammi Øst, Rikke Bilde, Emilie Koppel
100 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.11.

Marianne & Leonard: Words of Love



Ein Porträt des legendären Leonard Cohen, aber noch mehr eine Ode an die 60er Jahre mit
stimmungsvollen Archivaufnahmen einer bukolischen Ära und der unsterblichen Musik Cohens.

„Now so long, Marianne / It s time that we began to laugh / And cry and cry and laugh about it all again“ singt Leonard Cohen in einem seiner bekanntesten und schönsten Lieder „So long, Marianne“, den er 1967 schrieb. Damals steckte der 1934 geborene Kanadier mitten in einer langjährigen Affäre mit der Norwegerin Marianne Ihlen, die in den 60er Jahren an einem Ort begann, der damals wohl so nah am Paradies war, wie man auf Erden sein konnte: Der griechischen Insel Hydra. Marianne Ihlen kam mit ihrem ersten Mann und ihrem kleinen Sohn Axel auf die Insel und wurde bald zur Geliebten und Muse vieler Männer. Zu denen auch der Teenager Nick Broomfield zählte, der nur kurze Zeit auf der Insel verbrachte, eine kurze Affäre mit Ihlen hatte, aber weniger gut mit dem Diktat der offenen Ehe und freien Liebe umgehen konnte als etwa Leonard Cohen.

Jahre später überzeugte Ihlen Broomfield davon, es als Filmemacher zu versuchen, ein fruchtbarer Rat, der inzwischen zu filmischen Biographien über Musiker wie Kurt Cobain und zuletzt Whitney Houston geführt hat. Eine große Liebe will Broomfield beschwören, hat eindrucksvolles Archivmaterial zusammengetragen, etliche der - wenigen - Überlebenden der 60er Jahre interviewt, die sich teils in verklärten Erinnerungen an eine freigeistige Epoche erinnern, teilweise aber auch mit gebotener Skepsis über die oft nur scheinbaren Errungenschaften der freien Liebe berichten. Besonders Leonard Cohen war ein Mann, der die Frauen liebte, der sehr viele Frauen liebte und sein Leben einmal als lebenden Porno bezeichnete. Während Marianne Ihlen eine schöne, tragische Randfigur bleibt, steht Leonard Cohen im Mittelpunkt, seine Musik, seine Frauen, nicht zuletzt aber auch eine Ära, die einzigartig blieb, aus der Cohen seine Inspiration schöpfte und die Lieder schrieb, die auch diese Dokumentation prägen und die dank ihres umfangreichen Archivmaterials sehenswert ist.


Dokumentation
USA 2019
Regie: Nick Broomfield
102 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.11.

Das Wunder von Marseille



Es ist eine wahre Geschichte, derer sich Autor und Regisseur Pierre François Martin-Laval angenommen hat. Mit leichter Hand erzählte wahre Geschichte, die der Tragödie das Komische gegenüberstellt und den Zuschauer mit einem zu Herzen gehenden Film bezaubert.

In Bangladesch ist das Leben des achtjährigen Fahims (Assad Ahmed) bedroht, weil sich sein Vater aktivistisch engagiert hat und der herrschenden Kaste ein Dorn im Auge ist. Darum packt er seinen Sohn und geht mit ihm nach Frankreich, wo sie um Asyl ansuchen. Beide sprechen kein Wort Französisch, Fahim lernt die Sprache aber schnell – und das noch mehr, als der mit einer unglaublichen Gabe für Schach gesegnete Junge in einen Schachkurs geht, der von Sylvain (Gerard Depardieu) geleitet wird. Sylvain erkennt das Talent des Jungen und fördert ihn, damit er an einer französischen Meisterschaft teilnehmen kann. Doch dafür müssen einige regulatorische Hürden genommen werden, während sich der Aufenthaltsstatus des Vaters und seines Jungen dramatisch ändert...

Der französische Autor und Regisseur Pierre François Martin-Laval war davon so angetan, dass er unbedingt einen Film daraus machen wollte. Nicht nur, weil das Flüchtlingsthema heute aktueller denn je ist, sondern auch, weil die Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Sympathien für Flüchtlinge zu wecken, die nicht selten vor Verfolgung, Folter und Tod fliehen, ist ein Nebenaspekt, da der Film es versteht, dem westlichen Zuschauer ein Gefühl dafür zu geben, was das für Menschen sind, die alles hinter sich zurücklassen und nach Europa kommen. Martin-Laval erzählt mit leichter Hand. Er schreckt vor dem Drama der Geschichte nicht zurück, lädt es aber auch mit viel Humor auf – und er kann sich auf sein grandioses Ensemble verlassen. Gerard Depardieu überzeugt in einer griesgrämigen Rolle, wie sie ihm auf den stattlichen Leib geschrieben ist, während Assad Ahmed selbst aus Bangladesch stammt und erst während der Dreharbeiten richtig Französisch lernte. Das Zusammenspiel des ungleichen Duos ist herzerwärmend, der Film selbst lebt zudem aber auch von einer Authentizität, die sich durch die Besetzung Assad Ahmeds ergeben hat.


Frankreich 2019
Regie + Buch: Pierre François Martin-Laval
Darsteller: Assad Ahmed, Gérard Depardieu,Isabelle Nanty,Mizanur Rahaman
107 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.

PJ Harvey - A Dog Called Money

Dokumentarfilm, der einen noch nie dagewesenen, intimen Einblick in den Arbeitsprozess der gefeierten Musikerin PJ Harvey gewährt und exemplarisch zeigt, wie aus Inspiration im Zuge eines gemeinschaftlichen kreativen Prozesses große Kunst entsteht.

Auf der Suche nach Inspiration folgt die britische Musikerin und Indie-Ikone PJ Harvey ihrem Freund, dem preisgekrönten Fotojournalisten und Kameramann Seamus Murphy, auf seinen Reisen um die Welt. In Afghanistan, dem Kosovo und Washington DC sammelt Harvey Gedanken und schreibt Texte, Murphy nimmt Bilder auf. Zurück in London verwandelt die Musikerin die gesammelten Wörter in Gedichte, in Songs und schließlich in ein Musikalbum, „The Hope Six Demolition Project“, das sie im Rahmen einer Kunstperformance aufnimmt. In einem speziell konstruierten Raum im Somerset House kann die Öffentlichkeit den 5-wöchigen Entstehungsprozess beobachten als seien Harvey und ihre Band eine lebende Ton-Skulptur.

Regisseur Seamus Murphy zeigt die Geburt von Harveys Songs und seines Films als Akt tiefer Einfühlung, die von den unmittelbaren Begegnungen mit den Menschen und Orten ausgeht. Ein bewegender und vielschichtiger Dokumentarfilm – nicht nur für PJ-Harvey-Fans. Murphy erklärt: „Das Tonstudio in Somerset House, in dem Pollys Album aufgenommen wurde, wurde als Raum in einem größeren Raum gebaut – mit Spiegelglas, durch das es dem Publikum ermöglicht wird, bei der Entstehung des Albums zuzusehen und zuzuhören, ohne die Musiker zu stören. Alle im Studio trugen Mikros am Kragen, damit das Publikum jedes Wort, jeden Scherz und jedes Geräusch hörte. Ich filmte alles. Um das natürliche, intime Material zu bekommen, das ich wollte, musste ich mich selbst aus dem Prozess ausklammern, idealerweise unsichtbar für die Musiker werden. Ich bat sie darum, mich und die Kamera zu vergessen. Sie durften durch die Kamera laufen oder vor der Kamera stehen und sollten nicht das Gefühl haben, die Aufnahme zu verderben – denn all das war ein Teil davon.“

Dokumentarfilm
Irland, Großbritannien 2019
Regie: Seamus Murphy
mit PJ Harvey


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.

Bis dann, mein Sohn



Der Unfalltod eines Kindes verändert das Schicksal zweier befreundeter Familien für immer. Großes, wuchtiges Filmmelodram über Schuld und Vergebung mit grandiosen Darstellern.

China, eine Stadt im Norden im ausgehenden 20. Jahrhundert. Liyun und Yaojun sind ein glückliches Paar. Sie leben mit ihrem Sohn Xingxing im Wohnheim der Metallfabrik, in der sie arbeiten, Wand an Wand mit ihren Freunden Haiyan und Yingming, deren Sohn Haohao am gleichen Tag geboren ist wie Xing. Als Xing eines Tages bei einem Unfall ums Leben kommt, trennen sich ihre Wege. Yaojun und Liyun ziehen in die Provinz Fujian im Süden des Landes. Doch die Familien bleiben durch die Tragödie miteinander verbunden.

Der vielfach preisgekrönte chinesische Meisterregisseur Wang Xiaoshuai erzählt die Geschichte zweier Familien vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Umwälzungen in China. „Bis dann, mein Sohn“ ist meisterhaftes Kino, ein zutiefst berührendes Familienepos über Freundschaft und Veränderung, Verlust, Trauer und neue Hoffnung – und nicht zuletzt die Geschichte einer lebenslangen Liebe, die das Versprechen von den guten und den schlechten Tagen auf trotz allem Schmerz beglückende Weise einlöst. Wir versprechen: ein großes Filmmelodram, dem man sich in drei Stunden Filmzeit keine Minute entziehen mag. Plus: Zwei Hauptdarsteller zum Niederknien. Zwei Berlinale Bären als Beste Hauptdarsteller gab es für sie obendrein. So geht Kino, sagen wir.

China 2019
Regie: Wang Xiaoshuai
Darsteller: Yong Mei, Wang Jingchun
185 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.

But Beautiful



Filmemacher Erwin Wagenhofer ging auf die Suche nach Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, um eine zukunftsfähige Welt zu gestalten. Poetische Hommage, die Zuversicht vermittelt und motiviert. Exzellenter Jazz trägt und verbindet die eindrücklichen Bilder.

„Es wird uns jeden Tag erzählt, dass irgendwas knapp ist“, sagt Erwin Thoma. „Und in Wahrheit ham ma, von überhaupt nix zwenig, sondern nur falsche Konzepte“, weiß der gelernte Forstingeneur aus Österreich. Er baut inzwischen die gesündesten Holzhäuser der Welt, in denen man weder Heiz- noch Kühlsysteme braucht. Daraus entwickelte sich eine kleine Firma mit einem „Herzensteam“. Abfallfreies und nachhaltiges Bauen ohne Chemie. Und woher kam die Lösung? Das natürliche Kreislaufsystem des Waldes war für den damals jüngsten Revierförster Österreichs das Vorbild seiner „Geschäftsidee“, die eigentlich nie als solche gedacht war. Und wer im Film den Mann auf seinem Pferd durch die österreichischen Wälder rund um Goldegg reiten sieht, genießt dieses Bild und spürt die Verbundenheit zur Natur. Er nimmt uns mit in eine Welt, die vielen von uns fremd geworden ist: das Leben mit dem Wald, die Faszination der Bäume und ihrem Holz. Der 57jährige beschreibt Bäume wie Weggefährten.

Einen neuen Ansatz in ihrem Leben verfolgen auch die Grafs. Zwei Akademiker mit guten Jobs in Berlin bevor sie ausgewandert sind, um auf La Palma von der industriellen Landwirtschaft verwüstetes Land zu kaufen. In nur zehn Jahren verwandelten sie das Ödland in ein blühendes Paradies. Das Zauberwort heißt: Permakultur. Dass Frauen die Welt verändern können zeigt der indische Sozialaktivist Bunker Roy. Frauen, die nicht lesen und schreiben können bildet er am „Barefoot College“ in nur sechs Monaten zu Solaringenieurinnen aus. Sie gehen zurück in ihre Dörfer, bringen „Licht“ und verbessern damit die Lebensqualität. Gleichzeitig überstrahlt die soziale Kraft der Musik, die Verbundenheit schafft, die poetische Hommage an das Leben. Dabei dominiert exzellenter Jazz wie man ihn selten hört. Er bildet eine Art Dialog, verwebt Sequenzen und Protagonisten miteinander. Nicht umsonst ist der Filmemacher begeisterter Jazzfan und wollte früher selbst Jazzmusiker werden.


Dokumentation
Deutschland, Österreich 2019
Regie & Kamera: Erwin Wagenhofer
Buch: Erwin Wagenhofer, Sabine Kriechbaum
Darsteller: Kenny Werner, Barbara und Erich Graf, Shahnaz Banu, Bunker Roy, Kamla Devi, Basanta, Lucia Pulido, Erwin Thoma, Mario Rom, Lukas Kranzelbinder, Herbert Pilker, Jetsun Pema, Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama.
116 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.

Booksmart



Zwei weibliche High-School-Schüler beschließen, alles Versäumte in einer einzigen Nacht nachzuholen. Im Mittelpunkt dieser turbulenten Komödie stehen mal nicht die Jungs, sondern die Mädchen.

Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever) haben ihre ganze High-School-Zeit darauf verwandt, sich akademisch zu profilieren, um so Zugang zu Elite-Universitäten zu erhalten. Dann erfährt Molly, dass viele andere Schüler, die keine Party ausgelassen haben, auch in Universitäten wie Harvard, Stanford und Yale angenommen wurden. Es wäre also beides möglich gewesen: Party machen und gute Noten haben. Darum möchte sie nun, am Abend vor der Abschlussfeier, mit Amy richtig einen draufmachen. Aber ein Problem gibt es: Die beiden haben keine Ahnung, wo die Party der angesagten Kids überhaupt steigt.

Mit ihrem temporeichen Regiedebüt „Booksmart“ legt Olivia Wilde ein frisches Update der Highschool-Komödie hin. Der ebenso smarte wie warmherzige Kinospaß über wahre Freundschaft umtanzt mit einem coolen Soundtrack und originellen Gags locker alle Klischees. Kaitlyn Dever und Beanie Feldstein brillieren mit Witz und Girlpower als unbestechliches Duo und empfehlen sich als Stars von morgen. Die Regisseurin kommentiert ihren Film wie folgt: „Ich hoffe, mein Film bringt Menschen dazu, an ihre Highschool-Zeit zurückzudenken und zu reflektieren, wie sie andere wahrgenommen und möglicherweise unfair beurteilt haben – auch sich selbst. Ich hoffe, dass sie anderen Menschen dadurch mit etwas mehr Einfühlungsvermögen entgegentreten und die Komplexität ihres Selbst schätzen lernen. Und außerdem begreifen, dass die Highschool eine besondere Zeit ist. Und obwohl die Zeiten flüchtig sind, haben diese Momente und Beziehungen einen besonderen Wert.“

USA 2019
Regie: Olivia Wilde
Buch: Emily Halpern, Sarah Haskins, Susanna Fogel, Katie Silberman
Darsteller: Kaitlyn Dever, Beanie Feldstein, Jessica Williams, Jason Sudeikis, Lisa Kudrow, Will Forte
100 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.

The Irishman (engl. OmU)


Was geschah wirklich mit dem Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa? Nur für kurze Zeit ist das von Netflix produzierte und von Martin Scorsese inszenierte Epos dort zu sehen, wo es seine größte Wirkung erzielt: auf der großen Leinwand.

Martin Scorseses „The Irishman“ mit Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci ist eine epische Saga über die organisierte Kriminalität im Nachkriegsamerika, welche durch die Augen des zweiten Weltkriegsveteranen Frank Sheeran, einem Betrüger und Auftragskiller, der mit einigen der berüchtigtsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts arbeitete, erzählt wird.

Mehrere Jahrzehnte umfassend folgt der Film einem der größten ungelösten Rätsel der amerikanischen Geschichte, dem Verschwinden des legendären Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa, und bietet eine monumentale Reise durch die verborgenen Korridore des organisierten Verbrechens: seine inneren Abläufe, Rivalitäten und Verbindungen zur Mainstream-Politik. Jimmy Hoffa war ein US-amerikanischer Gewerkschaftsführer mit Verbindungen zur amerikanischen Cosa Nostra. Als Präsident der Teamsters-Gewerkschaft war Hoffa in den USA als „Herr der Lastkraftwagen“ bekannt. Hoffa verschwand 1975, und Spekulationen darüber, was mit ihm geschah, waren viele Jahre lang Gegenstand wilder Verschwörungstheorien. Am 30. Juli 1982 wurde Hoffa gesetzlich für tot erklärt. In dem Biopic „Jimmy Hoffa“ von Danny DeVito aus dem Jahr 1992, den wir im Rahmen des 14. Todd-AO 70mm Filmfestivals im letzten Jahr gezeigt haben, wurde Hoffa von Jack Nicholson verkörpert. Die Presse urteilt über „The Irishman“: „De Niros beste Performance seit Jahren“ (Time Magazine), „Scorseses bester Kriminalfilm seit „Goodfellas““ (Indiewire)


USA 2019
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci
209 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.11.

Morgen sind wir frei



Auf Tatsachen basierendes Drama, das von einer idealistischen Familie aus der DDR erzählt, die in die Wirren der „Islamischen Revolution“ gerät. Ein Film über den bedingungslosen Kampf um Freiheit und politische Umwälzungen, deren Folgen bis heute spürbar sind.

Februar 1979: Die „Islamische Revolution“ fegt über den Iran hinweg. Mittendrin befinden sich die Chemikerin Beate (Katrin Röver) und ihr iranisch-stämmiger Ehemann Omid (Reza Brojerdi), die vor kurzem in Omids Heimat zurückgekommen sind. In den letzten Jahren lebten die Beiden gemeinsam mit ihrer achtjährigen Tochter Sarah (Luzie Nadjafi) in der DDR. Nach dem Ende der Monarchie hofft die Kleinfamilie auf einen gelungenen Neustart für sich und das Land. Doch nach der anfänglichen Aufbruchsstimmung verschlimmert sich die Lage immer weiter – vor allem für Beate und Sarah.

„Morgen sind wir frei“ ist das Langfilm-Debüt von Hossein Pourseifi, der bislang vor allem Kurzspielfilme drehte. Er verfilmt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer Familie, die die dramatischen Konsequenzen der Revolution am eigenen Leib erfuhr. Als Zuschauer erlebt man am Beispiel der Kleinfamilie die erschütternden Ereignisse im Iran ab den späten 70er-Jahren hautnah mit. So erhält man einen eindringlichen, authentischen Eindruck dessen, wie es zur Machtergreifung der Mullahs kam. Damit weist der Film gleichzeitig eine hohe Aktualität auf, denn das Mullah-Regime begeht bis heute Menschenrechtsverletzungen und geht radikal gegen Andersdenkende vor. Schonungslos und ungeschönt zeigt der dicht und geradlinig inszenierte Film die dramatischen Folgen für die Bevölkerung auf, allen voran für die Frauen. Von der Steinigung und Folterung abertausender Oppositioneller, dem landesweiten Kopftuchzwang bis hin zur willkürlichen Verhaftung von Frauen, die sich den steinzeitlichen, rückständigen Gesetzen und Vorschriften widersetzten. Dabei profitiert „Morgen sind wir frei“ jederzeit vom aufrichtigen und kraftvollen Spiel seiner Darsteller, die ihre Rollen mit unbändiger Energie verkörpern. Allen voran die beiden Hauptdarsteller.

Deutschland 2019
Regie & Drehbuch: Hossein Pourseifi
Darsteller: Reza Brojerdi, Katrin Röver, Luzie Nadjafi, Zar Amir Ebrahimi
97 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.11.

Bernadette



Eine einstige Stararchitektin kehrt ihrer Familie überraschend den Rücken, um sich neu zu erfinden. Mit Cate Blanchett in der Titelrolle geht Regisseur Richard Linklater einmal mehr auf Oscar-Kurs

Bernadette Fox (Cate Blanchett) ist anders als die perfekt organisierten Mütter aus der Nachbarschaft. Sie ist chaotisch, exzentrisch, sensibel – und schläft schlecht. Bernadette braucht nach Jahren der Fürsorge für ihre Familie dringend mal wieder etwas Zeit für sich. Die einstige Stararchitektin hat Los Angeles den Rücken gekehrt und ist ihrem Mann Elgie (Billy Crudup), einem erfolgreichen IT-Manager, nach Seattle gefolgt. Dort leben die beiden mitsamt der 15-jährigen Tochter Bee (Emma Nelson) in einer von Brombeerhecken umrankten alten Villa, die viel zu groß und obendrein sanierungsbedürftig ist. Als Bernadettes penible Nachbarin Audrey (Kristen Wiig) darum bittet, die wuchernden Brombeerbüsche an der Grundstücksgrenze zu entfernen, setzt das eine Kette von Missgeschicken in Gang, die Bernadettes Leben endgültig auf den Kopf stellen. Und plötzlich ist sie verschwunden. Elgie und Bee nehmen die Suche auf – und ihre Reise endet schließlich mitten in der Antarktis mit einer überraschenden Entdeckung...


Der preisgekrönte Autor und Regisseur Richard Linklater („Boyhood“, „Before Sunrise“-Trilogie) hat mit „Bernadette“ eine warmherzige Komödie inszeniert. Mit sprühendem Witz und feinen Zwischentönen erzählt er von seiner ungewöhnlichen Heldin, die dem Familienalltag entflieht und in den Weiten der Antarktis neu zu sich findet. Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett („Carol“, „Blue Jasmine“) ist in die Rolle der liebenswert-exzentrischen Bernadette Fox geschlüpft und spielt sie gewohnt bravourös – mit viel Humor und Tiefgang. Kristen Wiig („Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“, „Downsizing“), Billy Crudup (“Spotlight“, „Almost Famous – Fast berühmt“) und Neuentdeckung Emma Nelson runden das Ensemble ab.


OT: Where’d you go, Bernadette
USA 2019
Regie: Richard Linklater
Buch: Richard Linklater, Holly Gent Palmo, Vincent Palmo
Darsteller: Cate Blanchett, Billy Crudup, Kristen Wiig, Emma Nelson, Laurence Fishburne
125 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.11.

Land des Honigs



Preisgekrönter Dokumentarfilm mit der zeitgeistigen Thematik rund um das fragile Verhältnis der Menschen zur Natur, poetisch in der Machart und fein beobachtet und unaufgeregt.

Gegenwärtig wird viel über Honigbienen debattiert, denn immerhin betrifft deren Rückgang Menschen auf der ganzen Welt. Auch, weil die wichtige Funktion der Bienen als Bestäuber landläufig bekannt ist, eignen sie sich gut als Stellvertreterinnen für die immer stärker durchbrechende Erkenntnis, dass es höchst fahrlässig wäre, die Erde auszubeuten, zu verpesten, unbewohnbar zu machen. Dass die Menschheit in ihrer Gänze trotzdem weitermacht wie gehabt, daran kann der Dokumentarfilm „Land des Honigs“ freilich kaum etwas ändern. Aber der Film kann dafür sensibilisieren, dass die Verbindung der Menschen zur Natur kein Machtgefälle beinhalten muss, bei dem die Menschheit alles zu Kleinholz macht, sondern als Partnerschaft funktionieren kann, von der letztlich beide Seiten profitieren.

Hatidze Muratova lebt im nordmazedonischen Gebirge, wo sie als Imkerin eine wilde Bienenzucht betreut. Daneben versorgt die sonnengegerbte Frau ihre gelähmte Mutter. Ab und an bricht Muratova in die vergleichsweise hektische mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um den geernteten Honig auf dem Markt zu verkaufen, die meiste Zeit verbringt sie aber in der ursprünglichen Natur, in der sie aufgewachsen ist. Das harte, doch idyllische Leben ändert sich, als Muratova und ihre Mutter neue Nachbarn bekommen. Die nomadische Großfamilie von Hussein Sam bringt einige Nutztiere und reichlich Lärm mit. Anders als Muratova sehen die Neuen den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut. Die traditionelle Imkerweisheit, den Bienen die Hälfte des produzierten Honigs zu überlassen, schert die Neuankömmlinge wenig. Die Filmemacher Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska beobachten das Geschehen teilnehmend und völlig wertfrei. In oft langen Einstellungen zeigen sie, was passiert, ohne eine Meinung dazu mitzuliefern – das obliegt dem Publikum. Im Kern geht es um das vielschichtige Verhältnis der Menschen zur Natur, das umso vertrackter wird, je mehr Menschen vom Honig naschen wollen.


OT: Honeyland
Land/Jahr: Mazedonien 2019
Skript & Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov
Mitwirkende: Hatidze Muratova, Nazife Muratova, Hussein Sam, Ljutvie Sam
85 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.11.

Pferde stehlen


Drama um einen Mann, der sich nach dem Tod seiner Frau in eine abgelegene Hütte zurückzieht und sich in seine Vergangenheit zurückversetzt. Die Romanverfilmung geht als norwegischer Oscar®-Beitrag für den "Besten internationalen Film" ins Rennen

Die Schönheit Norwegens kann manchmal schmerzen. Dabei sucht Trond nur die Einsamkeit, als er in das kleine Dorf im Wald zieht. In dieser Idylle erkennt er in seinem Nachbarn einen alten Bekannten aus Jugendtagen wieder. Plötzlich sind da all diese Erinnerungen an jenen Nachkriegssommer, als Trond 15 Jahre alt war und mit seinem Vater mehrere Wochen beim Holzfällen im Wald verbrachte. Ein Sommer, in dem er mit einem Freund Pferde stahl und die Liebe entdeckte. Der Sommer, in dem auch ein Kind starb, der Freund verschwand und Geheimnisse seines Vaters ans Licht kamen. Und der Sommer, in dem er seinen Vater das letzte Mal sehen sollte. „Erinnerungen, die das Bewusstsein fluten und den Schmerz bringen – doch als wie stark dieser empfunden wird, entscheidet man selbst."

Das ist einer der schönsten und seltsamsten Sätze in Per Pettersons Roman „Pferde stehlen", der in 50 Sprachen millionenfach verkauft wurde. Es handelt sich wohl um das erfolgreichste norwegische Buch aller Zeiten, und der in den USA lebende norwegische Regisseur Hans Petter Moland („Ein Mann von Welt“, „Einer nach dem Anderen“, Jussi Adler-Olsens „Erlösung“) hat es jetzt mit seinem Lieblingsdarsteller, dem Schweden Stellan Skarsgård in der Rolle des alten Trond Sander, inmitten der atemberaubenden Gebirgs- und Flusslandschaft zwischen Norwegen und Schweden verfilmt. Bei seiner Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale 2019 wurde der Film mit dem Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung (Kamera) ausgezeichnet. Bei den Amanda Awards auf dem Norwegischen Internationalen Filmfestival Haugesund erhielt der Film fünf Amandas: Bester Norwegischer Film, Beste Regie (Hans Petter Moland), Beste Kamera (Rasmus Videbæk), Beste Musik (Kaspar Kaae) und Bester Nebendarsteller (Bjørn Floberg).

Norwegen, Schweden u.a. 2019
Regie: Hans Petter Moland
Darsteller: Stellan Skarsgård, Bjørn Floberg, Tobias Santelmann
123 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.11.

Marriage Story (engl. OmU)

Die Scheidung eines Theaterregisseurs lässt die Anwaltskosten in exorbitante Höhen schnellen. Noah Baumbachs „Szenen einer Ehe“ als Netflix-Produktion mit Starbesetzung

Charlie ist ein erfolgreicher Off-Broadway-Theaterregisseur, während seine Frau Nicole früher als Schauspielerin arbeitete und sich nun um den gemeinsamen Sohn kümmert. Nach ihrer Trennung von Charlie zieht sie mit dem 8-jährigen Henry zurück in ihre Heimatstadt Los Angeles. Der Umzug nach dort war immer einer der Hauptstreitpunkte in ihrer Ehe gewesen. Hier verbringt sie viel Zeit mit ihrer Mutter Sandra, einer früheren Schauspielerin, und ihrer Schwester Cassie. Als ihr neues Leben Gestalt annimmt, will sie eine offizielle Scheidung von Charlie und konsultiert die hochkarätige Scheidungsanwältin Nora Fanshaw. Nicole will aber auch nach der Scheidung mit ihrem Ex-Mann befreundet bleiben, weshalb alles möglichst sanft über die Bühne gehen soll. Sie erzählt Nora, wie sie in ihrer Ehe nach und nach ihre Ambitionen aufgegeben, ihre Bedürfnisse verdrängt und sich Charlie untergeordnet hat. Er habe sich lieber um seine Karriere gekümmert, als um seine Familie, während sie selbst ihre Schauspielkarriere aufgegeben hat. Obwohl er weiter in New York arbeitet, wo er gerade Elektra inszeniert, nimmt sich Charlie nach Rücksprache mit seinen Anwälten eine Zweitwohnung in der Nähe von Nicole, um über das gemeinsame Sorgerecht für Henry zu verhandeln und pendelt zwischen Los Angeles und New York hin und her. Während ihr Sohn mal bei der Mutter, mal beim Vater seine Zeit verbringt, steigen die Anwaltskosten in exorbitante Höhen.

Als Kameramann fungierte Robbie Ryan, der den Film auf 35-mm drehte und mit vielen Nahaufnahmen arbeitet. In Kombination mit den Weitwinkelaufnahmen der Gesichter der Schauspieler werde schon die physische Distanz zwischen Charlie und Nicole deutlich, so Jon Frosch von „The Hollywood Reporter“. Die Filmmusik komponierte der Oscar-, Grammy- und Emmy-Gewinner Randy Newman, mit dem Baumbach bereits für „The Meyerowitz Stories“ zusammengearbeitet hatte. In den Hauptrollen agieren Scarlett Johansson und Adam Driver.

USA 2019
Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Scarlett Johansson, Adam Driver, Laura Dern
136 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.11.

Yung



Der Alltag vier junger Mädchen in der pulsierenden und hedonistischen Subkultur des modernen Berlin. Realistisches, extremes und gleichzeitig liebevolles Portrait dieser neuen „Lost Generation"

„Yung“ ist der flirrende Trip von vier jungen Mädchen durch die pulsierende und hedonistische Subkultur des modernen Berlin, vor allem aber ein pures, raues und authentisches Portrait ihrer Freundschaft. Janaina (17) verdient sich etwas Taschengeld mit Webcam-Sex hinzu. Für ihre beste Freundin Emmy (18) ist die Stadt ein einziger Rausch, dabei realisiert sie nicht, dass sie immer tiefer in den Strudel der Abhängigkeit gerät. Joy (17) sinnt über die Liebe nach, wenn sie nicht gerade Drogen verkauft, und die süße Abbie (16) träumt davon nach Los Angeles abzuhauen.

Mit „Yung“ gibt Henning Gronkowski sein Spielfilm-Regiedebüt. Er schrieb das Drehbuch, nachdem er mehr als zwei Jahre zusammen mit Berliner Teenagern das Projekt entwickelt hatte. Es ist ein realistisches, extremes und gleichzeitig liebevolles Portrait dieser neuen "Lost Generation" - das ihnen gewidmet ist. Der Regisseur über seinen Film: „Es ist ein Film über Teenager, die in vielerlei Hinsicht ein aufregendes und exzentrisches Leben führen. Vier Mädchen, die Drogen nehmen, wild feiern und ihr Sexleben ausleben. Es ist das echte Berlin. Es ist eine echte Geschichte. Mit Leidenschaft und großer Energie erzählt, basierend auf den Abenteuern dieser Teenager und ihrer Freunde. Sie erzählten mir davon und sie zeigten mir echte Emotionen. Diese Energie ist in jedem Bild zu spüren. Daneben greift der Film Teile meines persönlichen Lebens auf und der Welt, in die ich in den letzten 10 Jahren abgetaucht war. Ich bin nicht unbedingt stolz darauf, aber ich bereue es auch nicht. Ich habe einen Weg hinaus gefunden und einen Film über meine Erfahrungen und die Menschen geschaffen, die ihn inspiriert haben – eine Katharsis. Ich wollte eine Berliner Jugendsubkultur zeigen, die sich in einer dem öffentlichen Bewusstsein verborgenen Parallelwelt abspielt. Es ist eine Generation von Kids, die alle Möglichkeiten im Leben haben. Auf der anderen Seite haben sie keine Ahnung davon, was sie damit machen wollen. Zumindest sollte man versuchen, sich selbst zu finden, während man noch YUNG ist!“

Deutschland 2018
Regie: Henning Gronkowski
Darsteller: Janaina Liesenfeld, Emily Lau, Joy Grant
95 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.11.

Aretha Franklin: Amazing Grace



Es ist die erfolgreichste Gospel-Platte aller Zeiten: „Amazing Grace“, die Aretha Franklin 1972 aufnahm. Was viele nicht wussten: Die Aufnahmen in einer Kirche in Los Angeles wurden gefilmt, doch erst jetzt ist das Material zu sehen.

1972 befand sich die damals 29jährige Aretha Franklin auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Elf Nummer Eins Songs hatte sie schon eingesungen – darunter Klassiker wie Respect oder Chain of Fools – doch dann wollte sie ein Album aufnehmen, das sie zu ihren musikalischen Wurzeln zurückführen sollte, dem Gospel. In der New Temple Missionary Baptist Kirche im Stadtteil Watts in Los Angeles trat Franklin an zwei Abenden auf. Unterstützt vom lokalen Southern California Community Choir, geleitet vom legendären Reverend James Cleveland, der wie wenige andere dazu beigetragen hat, den Gospel populär zu machen, sang sie religiöse Standards wie What a Friend We Have in Jesus, Mary, Don t You Weep und natürlich den Titelsong Amazing Grace.

Auch eine Filmcrew war vor Ort, geleitet vom damals noch wenig bekannten späteren Oscar-Gewinner Sydney Pollack, der in bester Cinéma vérité Manier das Konzert filmte, aber einen schweren technischen Fehler beging: Bild und Ton waren nicht synchronisiert und so war das Material in den damaligen analogen Zeiten praktisch unbrauchbar und landete für Jahrzehnte im Archiv. Erst vor wenigen Jahren gelang es nun dem Musikproduzenten Alan Elliott im Auftrag der Rechteinhaber Warner Bros., das Material zugänglich zu machen. Das Ergebnis ist das Dokument „Aretha Franklin: Amazing Grace“, in dem das Konzert roh und ungeschnitten gezeigt wird, abgesehen von einigen wenigen erklärenden Texttafeln ohne Kontext oder gar kulturhistorische Einordnung. Ein pures Dokument ist „Aretha Franlin: Amazing Grace“ also, das ganz bewusst technische Schwächen nicht zu kaschieren versucht, manchmal Kameramänner im Bild zeigt, manchmal Unschärfen hat, seine holprige Entstehungsgeschichte zum Teil des Films macht. Kein sakraler Ort ist dies, keine fehlerlos inszenierte Show, sondern ein tatsächlich spiritueller Moment, ausgelöst durch die atemberaubende Stimme Aretha Franklins. Vielleicht muss man also gar nicht versuchen, in Worte zu fassen, was Aretha Franklin so besonders machte: Es reicht es 90 Minuten lang zu hören, zu sehen, es zu erleben.

Dokumentation
OT: Amazing Grace
USA 2018
Regie: Alan Elliott, Sydney Pollack
89 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.11.

Die schönste Zeit unseres Lebens



Ein grantiger Ehemann wird von seinem Sohn auf eine Zeitreise geschickt. Mitreissende Komödie voller Lebenslust und wunderbarer Dialoge, getragen von einem brillanten Ensemble

„So kann es mit den Eltern einfach nicht weitergehen!“, denkt sich Maxime (Michaël Cohen). Sein Vater Victor (Daniel Auteuil) wird zunehmend zu einer Nervensäge, die mit sich, der Welt und dem Alter über Kreuz liegt. Seine Frau Marianne (Fanny Ardant) ist das genaue Gegenteil. Victors ewige schlechte Laune wird ihr schließlich zu viel. Sie setzt ihn kurzerhand vor die Tür. Victor braucht definitiv Hilfe! Und Maxime hat eine Idee. Sein Freund Antoine (Guillaume Canet) hat eine Firma, „Time Travellers“, die gut betuchten Kunden ermöglicht, in einem raffiniert eingerichteten Filmstudio in eine Zeit ihrer Wahl zu reisen. Victor willigt ein. Er entscheidet sich für das Jahr 1974, den exakten Tag, an dem er sich in seine Frau Marianne verliebt hatte. Anfangs skeptisch, lässt er sich immer mehr in den Bann der Erinnerungen ziehen. Und die Kulisse aus Neonlichtern, Schlaghosen und Zigarettenrauch wird zu einer Reise, in der die betörende Schauspielerin Margot (Dora Tillier) die Grenze zwischen damals und heute verschwimmen lässt …

„Die schönste Zeit unseres Lebens“ ist eine mitreißende Komödie voller Lebenslust, Charme und Esprit, die auf leichte und amüsante Weise mit der Frage spielt, was das Leben letztlich schön macht. Nicolas Bedos („Die Poesie der Liebe“) konnte für seinen zweiten Spielfilm die Leinwandlegenden Daniel Auteuil („Verliebt in meine Frau“, „Caché“) und Fanny Ardant („Die schönen Tage“, „8 Frauen“) gewinnen. Unwiderstehlich brilliert Guillaume Canet („Zusammen ist man weniger allein“, „Zwischen den Zeilen“) als Firmenchef, den mehr als eine berufliche Leidenschaft mit Margot verbindet, gespielt von Doria Tillier, die für ihr Kinodebüt „Die Poesie der Liebe“ als beste Hauptdarstellerin für den César nominiert wurde. Der Film feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb (außer Konkurrenz) bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Die Nordamerika-Premiere fand auf dem 44. Toronto International Film Festival statt.

Frankreich 2019
Regie: Nicolas Bedos
Darsteller: Daniel Auteuil, Guillaume Canet, Fanny Ardant
115 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.11.

Mein Ende. Dein Anfang



Regiedebütantin Mariko Monoguchi wirbelt die Gesetze des filmischen Erzählens durcheinander und inszeniert unter Zuhilfenahme eines preiswürdigen Ensembles eine zu Tränen rührende Geschichte über Liebe, Verlust und Vergeben.

Für Nora (Saskia Rosendahl) bricht eine Welt zusammen, als ihr Freund (Julius Feldmeier) bei einem Banküberfall ums Leben kommt. Zunächst versucht sie die Tragödie zu verdrängen. Doch nach und nach brechen die Gefühle aus ihr heraus und sie beginnt notgedrungen, den Verlust zu verarbeiten. Dazu schwelgt sie in Erinnerungen an ihr gemeinsames Kennenlernen, ihre große Liebe und all die Träume, die das glückliche Paar hatte und nun doch nie umsetzen können wird. Irgendwo in einer anderen Ecke der Stadt hat Natan (Edin Hasanovic) ein ähnliches Problem, das ihm den Boden unter den Füßen wegzieht. Seine kleine Tochter ist schwerkrank und benötigt dringend eine teure Behandlung, die für Natan jedoch unbezahlbar wird, als er durch eigenes Verschulden seinen Job verliert. Die Wege von Natan und Nora kreuzen sich eines Nachts, denn die beiden scheinen überraschend viel gemeinsam zu haben…

Regisseurin Mariko Minoguchi arbeitet zwar nicht mit derart drastischen visuellen Stilmitteln wie ihr Kollege Noé, doch genau wie dieser hat auch sie die Wichtigkeit von inszenatorischer Experimentierfreude erfasst. Da rückt der Handlungsstrang rund um Noras One-Night-Stand Natan zeitweise fast in den Hintergrund, da man erst weit in der zweiten Filmhälfte von „Mein Ende. Dein Anfang.“ zu verstehen beginnt, von welch enormer Wichtigkeit Natans Eintritt in Noras Leben eigentlich ist. Sowohl die sich zaghaft aufbauende Beziehung zwischen den beiden, als auch die über kleine, dafür umso liebevollere Gesten funktionierende Lovestory zwischen ihr und ihrem verstorbenen Freund erinnern an die Filme eines Mikhaël Hers, der mit „Ein Sommergefühl“ einen der besten, wenn nicht gar den besten Film zum Thema Trauerverarbeitung inszeniert hat, den es überhaupt gibt. Hier trifft die reduzierte Intimität seiner Erzählungen auf die keinerlei Risiko scheuende Experimentierfreude von Filmemachern wie Christopher Nolan oder eben auch Gaspar Noé – eine Kombination, die man einfach erleben muss, um sie zu glauben.

Deutschland 2019
Regie: Mariko Minoguchi
Darsteller: Saskia Rosendahl, Julius Feldmeier, Edin Hasanovic, Jeanette Hain, Lilly Forgach, Leonard Hohm, Emanuela von Frankenberg, David Baalcke
111 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.12.

A Rainy Day in New York

USA 2019
Regie: Woody Allen
Darsteller: Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez
95 Minuten


Voraussichtlich ab Mittwoch 18.12.

Star Wars: The Rise of Skywalker (engl. OV in 2D)

Sowohl alte als auch neue Gesichter kommen für diesen letzten Teil der Skywalker-Saga zusammen. Wieder zu sehen sind unter anderem Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong o, Domhnall Gleeson, Kelly Marie Tran, Joonas Suotamo und Billie Lourd.

Neu hinzu kommen in Episode IX Naomi Ackie, Richard E. Grant, Keri Russell, Matt Smith und Dominic Monaghan. Verstärkung erhalten sie von den Star Wars Veteranen Mark Hamill, Anthony Daniels und Billy Dee Williams, der erneut in seine Rolle als Lando Calrissian schlüpft.

Leia Organa wird erneut von Carrie Fisher verkörpert indem bisher unveröffentlichtes Material verwendet wird, das für "Star Wars: Das Erwachen der Macht" gedreht wurde. "Wir haben Carrie Fisher verehrt", sagt Abrams. "Einen überzeugenden Abschluss der Skywalker-Saga ohne sie zu finden, war uns nicht möglich. Eine Umbesetzung oder der Einsatz einer computeranimierten Figur stand nie zur Diskussion. Mit der Unterstützung und dem Segen ihrer Tochter Billie haben wir einen Weg gefunden, Carries Vermächtnis und ihre Rolle als Leia in "Star Wars: Das Erwachen der Macht" in Ehren zu halten, indem wir unveröffentlichtes, für Episode VII gedrehtes Material verwenden."

USA 2019
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac
ca. 150 Minuten
ab 12 Jahren beantragt


Voraussichtlich ab Donnerstag 26.12.

Pavarotti

Der italienische Opernsänger Luciano Pavarotti ist selbst denjenigen ein Begriff, die sonst mit einem Opernbesuch nicht viel am Hut haben. Im Laufe seiner Karriere brachte der 1936 geborene Tenor es mit seiner Stimme zu Weltruhm, bevor er 2007 verstarb. Da Vinci Code-Regisseur Ron Howard, der zuvor mit The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years bereits eine andere Musikdokumentation abgeliefert hatte, widmete sich in seiner Doku Pavarotti ganz der Opern-Legende und nutzte für die Aufarbeitung von dessen Karriere und Privatleben die privaten Aufzeichnungen von dessen Familie, Interviews sowie Aufzeichnungen von Live-Auftritten des Sängers. (Quelle: Moviepilot.de)

Dokumentarfilm
USA, Großbritannien 2019
Regie: Ron Howard
Darsteller: Luciano Pavarotti
114 Minuten
ohne Altersbeschränkung